Vorreiter der Bio-Branche: Demeter seit 1974

Das 20. Jahrhundert macht aus Milchkühen „Turbokühe

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs führte die Mechanisierung der Landwirtschaft dazu, dass Kühe nicht mehr als Arbeitstiere, sondern ausschließlich als Milchkühe eingesetzt wurden. Damit einher ging eine Steigerung der Milchleistung, die alleine in den drei Jahren von 1949 bis 1952 in Württemberg um durchschnittlich dreißig Prozent zunahm, und bis 1961 im Bundesland nochmals um rund vierzig Prozent auf rund 3.000 Kilogramm Milch Jahresleistung stieg. Diese Entwicklung zu „Turbokühen“ hat sich in den darauf folgenden Jahrzehnten weiter fortgesetzt: Spitzenwerte bei der Milchleistung liegen heute bei rund 10.000 Kilogramm Milch, die eine Kuh im Jahr liefert.

Kritik an der hemmungslosen Ausbeutung der Natur

Die immer stärkere Industrialisierung der Milchwirtschaft, die von der Rohmilch über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung alle Bereiche erfasste, hat bereits Ende der 60er Jahre die ersten kritischen Stimmen hervorgebracht, die vor einer hemmungslosen Ausbeutung der Natur und nachhaltigen Auswirkungen auf die Qualität der Nahrungsmittel warnten.

Schrozberg war 1974 eine der ersten Demeter-Molkereien

Als eine der ersten Molkereien begann die Molkerei Schrozberg bereits 1974 mit der Verarbeitung von Demeter-Milch. Der Anstoß hierzu kam von interessierten und engagierten Mitgliedern mit Unterstützung des Demeter-Bundes in Stuttgart und der benachbarten Bauernschule Hohenlohe Weckelweiler.

Damit gehörte die Molkerei Schrozberg zu den Vorreitern der Verarbeitung von Milch aus bio-dynamischer Landwirtschaft. Der Beginn war noch bescheiden: Im Anfangsjahr lieferten sechs Landwirte zweitausend Liter Milch am Tag, 1999 waren es dann bereits 28.000 Liter täglich, die von 96 Lieferanten stammten. Im Zuge der Konzentration bäuerlicher Betriebe hat die Zahl der Lieferanten mittlerweile auf 83 im Jahr 2008 etwas abgenommen, dafür liefern diese rund 40.000 Liter Milch täglich. Heute ist die Molkerei Schrozberg die größte deutsche Demeter-Molkerei.

Seit den 90er Jahren Milch im Mehrweg-Glas

Mit der Anschaffung von Abfüllanlagen für Glasflaschen wurde in den 90er Jahren der Schwenk weg von Einwegverpackungen hin zum Müll vermeidenden Mehrwegsystem gemacht. Die Molkerei Schrozberg ist heute noch eine der wenigen überregional tätigen Bio-Molkereien, die das aufwändige Pfandsystem für zahlreiche Produkte anbietet. Die stetig zurückgehende Nachfrage der Verbraucher hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass viele Mitbewerber sich auf die Abfüllung von Kartons beschränken und Glas als Verpackungsmaterial ausgemustert haben.

Milch und Butter seit 1900

Seit mehr als 100 Jahren wird in Schrozberg Milch durch die Molkereigenossenschaft verarbeitet. Am 14. Januar 1900 fand die Gründung durch 83 Mitglieder statt, die im ersten Jahr des Bestehens rund 215.000 Liter Milch anlieferten. Damals wurden insgesamt 9.900 Kilogramm Butter hergestellt.
In den folgenden Jahrzehnten gab es zahlreiche Fortschritte bei der Verarbeitung und Vermarktung von Milch und Milchprodukten, deren Produktion stetig zunahm und die dank technischer Fortschritte von immer breiteren Schichten der Bevölkerung konsumiert werden konnten.
Die Molkereigenossenschaft in Schrozberg erweiterte ihre Kapazitäten, investierte in moderne Produktionsanlagen und Hygiene und hielt mit der rasanten Entwicklung Schritt: Im Jahr 1930 hatte sich die Milchanlieferung schon mehr als verdoppelt, 1944 waren es bereits knapp 5,3 Millionen Liter.